West Highland Way 2018

Der Weg beginnt in den Lowlands und führt in die Highlands, vorbei an Schottlands größtem Süßwassersee, dem Loch Lomond, berührt den Taleingang des Glen Coe und endet unweit des höchsten Bergs Schottlands, dem Ben Nevis. Die Gesamtwanderlänge beträgt 154 km.

Tagebuch

Anreise

  • 55.87353°, -4.27603°, 27m
  • 10/03/2018

Als wären die letzten Tage und Wochen nicht lange genug gewesen, so beginnt auch dieser erste Urlaubstag früh am Morgen.

Die Anreise nach Glasgow in einer kleinen Propellermaschine verläuft problemlos, wie auch die Suche nach unserem zuvor gebuchten WG-Zimmer.

Wir legen unsere Sachen ab, packen ein wenig um und begeben uns auch gleich wieder nach draußen um die Gegend rund um Kelvinbridge zu erkunden. Leider empfängt uns Schottland standesgemäß mit einem lang anhaltenden Regen.

Das Studentenviertel ist schön, bietet aber neben Pubs kaum einladende Gelegenheiten für ein Mittagessen. Also nehmen wir wieder die Subway und fahren zurück zur Buchanan Street, wo wir unsere Suche nach einem netten Restaurant fortsetzen. Relativ erfolglos und zudem durchnässt und durchgefroren fahren wir wieder die drei Stationen bis zu unserer Unterkunft. Immerhin haben wir auf diesem Ausflug herausgefunden, wo denn unser Bus zum Flughafen in zwei Wochen abfahren wird.

Am Fuße der Kelvin Bridge kehren wir schließlich in ein kleines Café namens Kelvin Pocket ein. Heißer Kaffee und wärmende Kokos-Ingwer-Suppe heben wieder unsere Stimmung. Im Supermarkt nebenan kaufen wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und ruhen uns anschließend eine Runde in unserem großen aber kaltem Zimmer aus. Auf einer Karte in der Küche markieren wir Köln als unseren Heimartort und reihen ins damit in eine Vielzahl von bunten Punkten ein. Zum Abendessen wird uns Hug and Pint, ein veganer Pub, empfohlen. Ein kurzer marsch durch strömenden regen später finden wir uns in einem doch recht überfüllten Gastraum wieder und weichen auf die zweite Empfehlung und somit auf die beste Pizzaria Glasgows aus. Hier müssen wir auch warten, jedoch gibt’s dabei schon mal ein Pint. Nach diesem letzten Abendmahl kann Weg nun kommen.

Morgenfrüh geht es endlich nach Milngavie.

So fängt es also an

  • 55.94095°, -4.31817°, 55m
  • 11/03/2018

Wir haben den Startpunkt erreicht. Los geht’s.

Tag 1

  • 56.05376°, -4.43257°, 44m
  • 11/03/2018

Die Nacht wurde doch noch gemütlich, nachdem Mona es schließlich geschafft hat die eigentümliche Heizung in unserem Zimmer in Betrieb zu nehmen. Lediglich die WG ein Stockwerk tiefer stört nun noch unsere Nachruhe mit einem Mix aus Piano und Elektronik, welcher auch die ganze Nacht anhalten sollte.

Morgens sind wir früh wieder wach, packen unsere Sachen und schlüpfen zum ersten Mal in unsere Wanderkluft. In der Küche verquatschen wir uns schließlich noch mit unserem Host und müssen uns sputen noch die U-Bahn zu bekommen, bevor diese von Fussballfabs übernommen wird. In Patrick Station nehmen wir den Zug nach Milngavie. Der West Highland Way ist hier wirklich an jeder Ecke ausgeschildert. Doch bevor es endlich losgeht füllen wir noch unsere Benzinvorräte an der nahe gelegenen Tankstelle auf. Zu Beginn gleicht der Weg noch einem Park. Es wimmelt vor Joggern und Hundebesitzern.

(Es ist im Zelt leider etwas kalt, weshalb ich morgen weiter schreibe)

Tag 1 / Tag 2

  • 56.11219°, -4.58281°, 44m
  • 12/03/2018

Fortsetzung Tag 1

Die Menge an Menschen nimmt dann doch spürbar ab, je mehr wir uns von der Stadt entfernen. Auf den Berghängen liegt noch Schnee uns selbst wir müssen an der ein oder anderen Stelle noch nicht getaute Schneefelder passieren. Auch haben wir des Öfteren zu hören bekommen, dass wir echt Glück hätten, denn letzte Woche soll hier noch alles meterhoch eingeschneit gewesen sein. Die Menschen denen wir begegnen sind alle sehr freundlich und aufgeschlossen. Lediglich wie man sich hier genau grüßt haben wir noch nicht herausgefunden. Beinahe jeder benutzt eine andere Floslel. Hey, Hi, Hello (there), Cheers. Ein weiteres Rätsel ist uns, warum in einige Berghänge hunderte von kleinen Löchern gegraben wurden. Der Weg zieht sich häufig leider nur unfern einer Straße schnurgerade durch abgezäunte Felder. An wildcampen ist hier nicht zu denken. Das letzte Stück vor Dryman laufen wir wieder Asphalt durch kleine Dörfer die an englische Krimis erinnern. Auf einem Hügel erreichen wir mit müden Füßen den auf der Karte eingezeichneten Campingplatz. Nicht mehr als eine winzige Wiese und zudem bis April geschlossen. Als wir gerade weiter laufen wollen, treffen wir den Bauern, der seine Pferde von der Koppel holt und er meint wir können gerne dort Zelten, gäbe halt nur keine Toilette oder Dusche. Wasser bekommen wir auf seinem Hof und nach einer kleinen Stärkung verschwinden wir rasch im Zelt, denn es ist nicht unerheblich kalt.

Tag 2

Wir können es kaum glauben als nach dieser kalten Nacht am Morgen tatsächlich die Sonne auf unser Zelt scheint. Wir frühstücken kurz, wobei wir Gesellschaft von einigen Hühnern bekommen und füllen unsere Wasservorräte auf. Anschließend warten wir darauf, dass die Sonne unser Zelt ein wenig trocknet. Scheinbar haben wir die wenigen Sonnenstrahlen doch überschätzt und packen es schließlich doch recht nass wieder ein.

Irgendwie macht mir der zweite Tag gleich etwas zu schaffen, denn ich habe ständig das Gefühl zu wenig gegessen zu haben. Als Schokolade als Energielieferant nicht mehr ausreicht ziehen wir das Mittagessen einfach vor. Der Pfad verlässt hinter Dryman schnell die bewohnte Gegend und verläuft erst durch einen Wald und schließlich durch Schafweiden zum Fuße des Conical Hill. Der erste richtige Berg hat es auch gleich in sich. Schöne Aussicht, aber endlos lange Serpentienen. Immerhin kein Schnee. Der Abstieg gestaltet sich noch schwieriger als der Aufstieg und nimmt unsere Gelenke und Muskeln ganz schön mit. Wieder im Tal machen wir erstmal Rast und werden von einem sehr zutraulichen Rotkehlchen unterhalten. Es sind nur noch wenige Meter zum Loch Lomond. Die Ufer des Sees sind gespickt mit schönen Kiestränden. Ab hier wird der Weg deutlich einfacher und kurz vor dem erreichen des ursprünglich angepeilten Campingplatzes beschließen wir noch einen Platz weiter zu laufen. Wir werden freundlich empfangen und machen es uns schnell gemütlich. Es gibt einen Tisch mit Bänken an dem wir kochen und uns mit der Platzkatze anfreunden. Im Zelt ist es heute angenehm warm. So kann es gerne bleiben.

Tag 3

  • 56.20955°, -4.67568°, 42m
  • 13/03/2018

Der Tag beginnt erfreulicherweise wieder mit Sonnenschein. Wir nutzen die vorhandenen Duschen ausgiebig und bestellen zur Krönung noch ein frisch für uns gebackenes Baguette. Der Weg heute sollte einfach werden, schließlich führt dieser immmer dicht entlang des Sees. Aber weit gefehlt. Jede Klippe muss mühselig umlaufen werden, jeder größere Bach zwingt den Weg zurück bergab an das Ufer, nur um danach direkt wieder anzusteigen. Die steileren Passagen sind alle mit Holzbohlen oder Steinen zu Treppen umgewandelt, welche jedoch in Schritthöhe und -weite stark variieren. Dieses ständige auf und ab bringt uns ganz schön aus der Puste. Mittags finden wir erst spät einen Platz um uns eine warme Mahlzeit zu kochen, weshalb wir uns die letzten Kilometer nach Rowchoish, unserem ersten Bothy, ziemlich quälen müssen. Dort angekommen macht sich vor allem bei Mona Ernüchterung breit. Die Hütte ist etwas in die Jahre gekommen. Dem Gemäuer und den Schwarzweiß-Fotos nach zu urteilen auch schon fast in die Jahrhunderte. Als Schlafplatz abgelehnt machen wir uns nach kurzer Rast wieder auf den Weg und finden nur wenige Kilometer weiter einen geeigneten Zeltplatz mit Blick auf den See und mit eigenem Bach. Das Zelt wird schnell aufgestellt, damit es noch etwas trocknen kann, wir testen das erste Mal den neuen Wasserfilter und nach einer kleinen Malzeit mit Tee geht es auch schon wieder in die Schlafsäcke.

Notiz an mich selbst: Auf diesem Benzinkocher brennen alle Arten von Cremesuppen an!

Tag 4

  • 56.355°, -4.68226°, 101m
  • 14/03/2018

In der Nacht fällt etwas Regen, welcher aber früh am Morgen von Wind abgelöst wird. Diese Nacht bleiben wir auf Grund des hochgelegenen Zeltplatzes vom Nebel des Sees verschon und unser Innenzelt bleibt weitest gehend trocken. Was noch an Feuchtigkeit vorhanden ist trägt der Wind weg. Habe schon lange kein so trockenes Zelt mehr eingepackt.

Wir wollen gerade los, als der Regen wieder einsetzt. Nicht wirklich stark, aber wir beschließen dennoch vorsichtshalber die Regenhosen anzulegen. Der Blick auf die Uhr verrät, dass wir heute besonders früh gestartet sind. Es sind gerade 8 Uhr durch. Einige hundert Meter den Weg entlang treffen wir zwei Deutsche, deren Stimmen wir gestern spät noch im Zelt gehört hatten. Unsere letzte Etappe entlang des Loch Lomond ist geprägt von viel Kletterei. Immer wieder müssen wir größere Fesen und kleine Klippen überwinden.

Höhepunkt dieser Kraxelei ist der Zugang zu Rob Roy‘s Cave. Selbst ohne Rucksack brauche ich drei Anläufe, bis ich die Höhle endlich erreiche, bei welcher es sich dann doch mehr um eine tiefe Felsspalte handelt.

Hin und wieder begegnen wir Schafen und Ziegen, die wild an den Hängen grasen. Ein großer Bock mit mächtigen Hörnern liegt tot in der Nähe des Ufers. Hoffentlich ist er abgestürzt oder eines natürlichen Todes gestorben, denn sollten hier Tiere leben, die einen solchen Bock reißen können, müssten wir uns die Sache mit dem Wildcampen nochmal überlegen. Am Ende des Sees finden wir ein ähnliches Szenario, hier liegen Fell und Karkasse sonderbar getrennt nur wenige Meter von einander entfernt.

Wir entfernen uns vom See und damit auch von der Kletterei. Der Weg ist leicht zu gehen und hat eine moderate Steigung. Auch die Landschaft ändert sich. Der Wald weicht hier einer gelben Grasslandschaft. Der Boden ist feucht und an manchen Stellen sumpfig.

Wir essen in einem Bothy zu Mittag und bekommen rasch Gesellschaft von 6 weiteren Wanderern, welche uns heute noch ganze zwei mal überholen werden. Vor der Tür treffen wir einen der Ranger. Sie ist ungefähr 65 Jahre alt und trägt eine riesige grüne Jacke.

Der Regen nimmt langsam zu, hat aber immer noch eine Intensität, bei der es sich kaum lohnt die Kaputze zu tragen. Schweiß und Regen tuen sich in diesem Stadium noch nicht viel.

Gegen 3 Uhr erreichen wir einen Zeltplatz, welcher aber noch geschlossen hat. Wir werden wieder eingeholt von den Wanderern aus dem Bothy sowie der Rangerin.

Sie meint wir sollen dort Campen wo es uns gefällt, bis wir sie drauf hinweisen, dass hier eigentlich eine No camp area ist. „Ach ja stimmt, dann müsst ihr mindestens noch bis Falls of Falloch laufen oder ihr geht hier ins Hotel“.

Wir laufen noch einige Kilometer weiter, bis wir schließlich eine alte Ruine auf einer Schafweide erreichen. Das Gras ist hier perfekt abgefressen und der Boden schön eben. Dazu ist der nächste Bach nur einige Meter entfernt. Genau richtig zum Zeltaufbau und Abendessen, macht der Regen eine Pause. Wir richten das Zelt sorgfältig aus und spannen alle Leinen, da für die frühen Morgenstunden ein Sturm angesagt ist.

Tag 5

  • 56.43322°, -4.70725°, 223m
  • 15/03/2018

Wassertaufe

Die Nacht wirkt kurz, denn die erste Hälfte ist geprägt von starkem Regen der auf der Zelt prasselt und in der zweiten Hälfte dominiert der erwartete Sturm, der uns kräftig durchrüttelt. Entsprechend gerädert stehen wir direkt in der Morgendämmerung auf. Wir sind nicht die einzigen Frühaufsteher. Ein weiter Wanderer ist noch früher unterwegs und wir quatschten etwas über das Wetter. Er hatte versehentlich in der No Camp Area gezeltet und sich entsprechend früh verkrümelt. Das Frühstück reduzieren wir auf ein paar Kekse und probieren unser immerhin trockenes Zelt bei dem starken Wind zu bändigen, während wir es abbauen. Wenig weiter treffen wir den einsamen Wanderer wieder. Es regnet schon den ganzen Morgen und er hat es sich in einer Eisenbahnunterführung gemütlich gemacht. Er hat sogar einen Stuhl dabei, was ein Luxus. Wir gehen weiter in Richtung Crianlarich über eine Kuhweide die total zertrampelt und ein einziger von vielen Bächen durchzogener Sumpf ist. Kurz vor der Abzweigung nach Tyndrum holt uns der Wanderer wieder ein und wir treffen auch die beiden Deutschen von gestern morgen wieder.

Von hier an geht es durch einen Nadelwald über einen Berg nach Kirkton. Auf dem Weg zerstreut sich unsere kleine Gruppe etwas, doch wir treffen uns alle an einem Campingplatz, an dem lediglich der Souvenirshop geöffnet hat, wieder. Für kleines Geld gibt es hier Kaffe und Cola. Der Regen hat heftig zugenommen, genau so wie der Wind. An offenen Stellen peitscht einem der Regen waagerecht wie viele kleine Nadelstiche ins Gesicht. Eigentlich sollte Tyndrum nur unsere Mittagspause werden, doch in Anbetracht des Wetters organisieren wir uns doch lieber eine kleine Holzhütte, in der wir unsere Sachen trocknen können. Wir spannen eine Wäscheleine, verteilen alle Habseligkeiten in der kleinen Kammer und drehen die Heizung auf. Anschließend gehen wir in den Ort auf der Suche nach einer Fish and Chips Bude, die uns empfohlen wurde. Und in der Tat ist es dort rappelvoll, selbst BBC steht vor der Tür. Die sind allerdings nicht wegen dem Essen dort, denn just mit uns kommt auch Greg James auf seinem Gregathlon hier vorbei. Der BBC Moderator fährt wohl gerade mit dem Fahrrad durch das Vereinigte Königreich und besteigt die jeweils höchsten Berge. Uns ist er jedoch völlig fremd, wir trauen uns aber dennoch nicht in zu fragen, warum denn genau jeder ein Foto mit ihm haben möchte. Das Essen ist eine Wohltat nach Tagen der Entbehrung. Da alles free refill ist, nehme ich mir auch ein Glas Irn-Bru. Anschließend kaufen wir noch ein paar Vorräte ein und machen uns auf den Weg zurück zum Zeltplatz. Die Sachen sind fast trocken, dafür hat sich der Raum in eine Dampfsauna verwandelt. Jetzt noch eine Dusche und dann ab ins Bett. Heute sogar mal mit eine richtige Matratze.

Tag 6

  • 56.63256°, -4.82713°, 362m
  • 16/03/2018

Soweit die Füße tragen

Der Tag beginnt früh. Sowohl Regen als auch Sturm halten nach wie vor an. Allerdings ist es mittlerweile eher Schneeregen. In voller Montur geht es im Morgengrauen wieder in das Unwetter. Tyndrum lassen wir schnell hinter uns und laufen entlang der Bahngleise durch das angrenzende Tal. Die Sicht ist schlecht, zudem peitscht der Wind einem ständig Regen und Schnee ins Gesicht. Bei jeder Böe muss man einen Ausweichschritt machen, was zusätzlich Kraft kostet. Nicht desto trotz machen wir gut Tempo. Eine Bahnunterführung, die gestern noch als mögliche Schlafgelegenheit im Gespräch war, entpuppt sich als kleine Spalte im Bahndamm, durch die ein Schmelzwasserbach hinab ins Tal läuft. Kurz vor Mittag erreichen wir schon Bridge of Orchy aber außer einer verfallen Grundschule und einigen Häusern gibt es hier nicht viel. An der Hauptstraße liegt noch ein Hotel mit einer endlosen Anzahl an Hütten für Wanderer. Diese sind jetzt allerdings noch geschlossen. Dem Weg weiter folgend überqueren wir die Nord-Ost-Flanke des Màm Carraigh. Tatsächlich lässt sich hin und wieder sogar mal die Sonne blicken. Im Tal erreichen wir Inveroran Hotel, wo wir eine Cola trinken. Auf dem Weg in die Bar kommen und noch zwei Waldschrate entgegen, beide sichtlich erfreut, dass es hier schon Bier gibt. Über eine Antike Straße von 1803 geht es entlang von einigen Tannenhainen immer weiter in die Berge. Bei der Überquerung des letzten Bergpassen haben wir die ersten geschlossenen Schneefelder. Teilweise Knie tief, so dass uns das Spuren weiter ausbremst. Unsere Creme-Karamell-Kekse sind mittlerweile so gefroren, dass sie im beim Abbeißen zersplittern. Am Ende des Abstiegs wirbt ein Skiressort mit Duschen und Unterkünften, aber wir lassen uns nicht verführen und laufen weiter bis Kingshouse, unserem heutigen Etappenziel. Hier ist jedoch alles verrammelt. Die Hütte verfügt nichtmal über einen Winterkeller, was eigentlich üblich in den Bergen ist. Mit letzter Kraft schleppen wir uns zurück zum Skiressort und nehmen die letzte noch freie Hütte zu einem lächerlich hohen Preis. Doppel so teuer wie gestern verfügt sie weder über einen Kleiderhaken, noch über einen Mülleimer. Duschen im Container kostet extra. Naja besser als nichts, bei dem erneuten Kälteeinbruch ist Zelten aktuell nicht ratsam. Insgesamt legen wir heute über 35 Kilometer zurück.

Morgen geht es dann auf der nächsten Bergetappe nach Kinlochleven und zwar über Devils Staircase.

Tag 7

  • 56.71443°, -4.96049°, 16m
  • 17/03/2018

Fast schon hochalpin

Irgendwie bekommt die kleine Heizung unsere Hütte doch noch angenehm warm. Dennoch ist die Nacht kurz. Es hat heftig geschneit und um sechs Uhr beginnt ein Pflug mit der Räumung des Parkplatzes. Nur wenig später rücken die Wintersportler in Scharen an. Wir brechen es kurz vor 10 auf und laufen erstmal wieder zurück zu Kingshouse und von da weiter in das Tal. Noch am Vormittag erreichen wir Devils Staircase und machen uns gestärkt mit einem Snickers an den Aufstieg. Der im Tal noch mäßige Wind frischt mit zunehmender Höhe weiter auf. Auch der Schneefall nimmt wieder zu. Vereiste Flächen und Schnee machen den Aufstieg schwierig aber nicht unmöglich. Auf dem Pass angekommen fühlt man sich wie im Himalaya und nicht wie in den Schottischen Highlands. Neuschnee verdeckt den gesamten Weg. Auch Fußspuren werden vom Sturm sofort wieder zugeweht, weshalb wir den ersten Teil des Abstiegs etwas blind erraten müssen. Zu unserer Freude kommt immer öfter die Sonne zum Vorschein.
Der Weg wieder ins Tal nach Kinlochleven zieht sich bedeutend länger hin als der Aufstieg. An manchen Stellen weht der Wind so heftig, dass man sich selbst mit Stöcken kaum auf den Beinen halten kann. Nachdem wir den Schnee hinter uns gelassen haben, laufen wir entlang der Röhren eines Wasserkraftwerks in den Ort. Unser bereits gebuchtes Hosten liegt direkt am Ortseingang.

Der lange Abstieg hat meine Knie ziemlich zerschunden, hoffentlich erholen sich diese für unsre letzte Etappe des West Highland Way wieder.

Tag 8

  • 56.82285°, -5.09796°, 10m
  • 18/03/2018

Für’s Erste geschafft

Der Tag beginnt leider kalt. Scheinbar drehen sie in diesem Hostel nachts die Heizung ab. Die Dusche ist aber warm und tut gut. Knie und Füße haben sich über Nacht etwas erholen können und es gilt nun nur noch die Muskulatur etwas aufzuwärmen. Wir ziehen die Betten ab, schmeißen den Schlüssel in den dafür vorgesehenen Briefkasten und machen uns auf den Weg. Wir machen einen kleinen Abstecher zum Supermarkt, der glücklicher Weise auch Sonntags geöffnet hat, und decken uns mit Brot und etwas Frischkäse ein. Die eine Hälfte essen wir sofort, die andere soll das Mittagessen werden.

Entlang der Leven laufen wir aus der Stadt und biegen zügig wieder in den Wald ein. Es folgt ein anstrengender Aufstieg um in das benachbarter Tal zu wechseln und dort einer alten Militärstraße zu folgen. Schnell sind wie oberhalb der Baumgrenze und freuen uns über das schöne Wetter. Der Wind bläst zwar immer noch kräftig und mit Eiseskälte, aber der morgens noch graue Himmel reißt mehr und mehr auf. Der Weg ist angenehm und relativ eben. Uns begegnet ein Endurofahrer, der sich trotz der vielen vereisten Stellen auf diese Piste wagt sowie einige Mountainbiker. Vor uns laufen mit etwas Abstand drei weitere Wanderer, die sich später als Deutsche entpuppen. Wir wollen heute aber unter uns bleiben und verschweigen kurzerhand unsere Herkunft. Gegen Mittag biegt der Weg in das Glen Nevis, also das zur Nevis gehörende Tal, ein. Wir laufen durch einen Wald, der leider nur noch auf unserer Karte existiert. Massive Sturmschäden haben hier tausende von Bäumen umgeknickt. Es wurde fast der ganzer Berg entwaldet. Ein letztes Mal geht es über einen Trampelpfad über Stock und Stein, bevor wir den Waldweg erreichen, der uns hinunter nach Fort William bringen wird. Immerhin spielen die Knie heute beim Abstieg gut mit und wir kommen fast schmerzfrei auf der Talsole an. Die letzten Kilometer geht es nun auf Asphalt in die Stadt. Den offiziellen Endpunkt hat man vor einigen Jahren an das Ende der Fußgängerzone verlegt, weshalb wir eine ganze extra Meile laufen dürfen. Dann endlich ist es geschafft. Wir haben den West Highland Way erfolgreich abgeschlossen.

Unser Host für diese Nacht wohnt nicht weit entfernt. Helen ist sehr nett, betreibt in der Stadt einen Pub und erzählt uns viel über die Gegend. Das Zimmer gefällt uns gut und wir beschließen noch eine weitere Nacht hier zu bleiben, bevor es dann Dienstag auf dem _Great Glen Way_ weiter geht.

Tag 9

  • 56.82291°, -5.09801°, 11m
  • 19/03/2018

The Day Off

Endlich können wir einmal richtig ausschlafen und ausgiebig duschen. Wir beginnen den Tag gemütlich bei einer großen Tasse Pfefferminztee und beobachten das Treiben der Leute durch das Küchenfenster. Einige der Nachbarn laufen im T-Shirt durch die Straße, was bei strahlend blauem Himmel auch angemessen scheint, jedoch sollte man dabei nicht vergessen, dass die Temperaturen nach wie vor unterhalb des Gefrierpunktes liegen. Wir packen uns jedenfalls dick ein, bevor wir zu unserem Bummel durch Fort William aufbrechen. Nach einem kleinen Einkauf frühstücken wir gemütlich auf einer Bank im Park. Wir besuchen einige Outdoorläden auf der Suche nach neuem Equipment, das örtliche Highlands-Museum in dem man viel über die militärische Vergangenheit Schottlands erfährt, ein veganes Café und die Touristeninformation, in der wir uns eine Karte des vor uns liegenden Great Glen Way besorgen. Den Nachmittag verbringen wir faul mir lesen und im Internet surfen. Abends machen wir uns noch einmal auf ins Garrison West, Helen’s Pub und genießen eine letzte ausgiebige Mahlzeit, bevor ab morgen wieder Mangel herrscht.

Tag 10

  • 56.96314°, -4.93322°, 35m
  • 20/03/2018

Great Glen Way

Das weiche Bett wird uns sicherlich fehlen. Früh morgens packen wir unsere Sachen zusammen, frühstücken ein letztes Mal an einen richtigen Tisch und machen uns dann auf, den nächsten Schottischen Fernwanderweg zu bezwingen.

Zunächst drehen wir noch eine große Schleife um Inverlochy sowie Caol bevor wir bei strahlendem Sonnenschein den Caledonian Canal erreichen.

Dieser prägt dann auch weitestgehend den Vormittag. Der Weg entlang des Kanals ist stark befestigt und ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Ein kleines Highlight war Neptun’s Staircase, ein Verbund aus 8 Schleusen, an dem wir beobachten konnten wie ein Schiff der Umweltschutzbehörde durchgeschleust wird.

Gegen Mittag erreichen wir die untere Schleuse von Gairlochy, an der wir die Kanalseite wechseln und erst einmal Straße laufen müssen. Es folgt ein Abstecher durch einen Wald, bevor es an das Ufer von Loch Lochy geht. Hier essen wir zu Mittag und genießen das schöne Wetter.

Danach laufen wir leider erstmal wieder Asphalt. Der Weg führt vorbei an vielen großen Villen, denen jedoch jegliche Ästhetik fehlt. Ab Clunes geht es weiter entlang des Sees über einen breiten Waldweg. Langsam lassen unsere Kräfte nach und wir machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Es dauert eine Weile aber schließlich werden wir fündig.

Hoffentlich wird es heute Nacht nicht zu kalt.

Tag 11

  • 57.14428°, -4.68213°, 30m
  • 21/03/2018

Monotonie im Regen

Nachts im Zelt besteht immer die Wahl zwischen Mangel an Atemluft und einer eingefrorenen Nase. Die Variante mit dem über die Nase gezogenen Halstuch ist auch wenig praktikabel, da dieses binnen kurzer Zeit nass und somit recht schnell kalt ist.

Jedenfalls bekommen wir irgendwie die Nacht rum. Mona leider etwas schlechter, da sie neben der Kälte auch noch mein Schnarchen ertragen muss. Im Morgengrauen beginnt es zu tröpfeln und wir brechen schnell unser Lager ab. Zwei Kekse und eine Tasse Tee müssen für den Anfang reichen. Während wir durch den Wald laufen und uns, wie eigentlich nach jeder wildgecampten Nacht, über schönere Lagerplätze ärgern, beginnt es vollends zu regnen. Die Wolken scheinen im Great Glen dem Schottischen Zentraltal eingesperrt zu sein und bewegen sich kaum von der Stelle.

Am nördlichen Ende von Loch Lochy, wo der Wald wieder in Weideland übergeht, laufen wir einen Bogen um den kleinen Yachthafen, überqueren die Schleuse und befinden uns wieder am Caledonian Canal. Der Wind mittig im Tal weht ziemlich heftig und erklärt den starken Wellengang auf dem See. Zum Glück verläuft der Kanal dieses Mal in einem kleinen Wald, der uns vor dem Wind schützt. Viele der Bäume sind mit einem hellgrünen Moos befallen, das diese in manchen Fällen vollkommen umschließt.

Wenig später erreichen wir schon Loch Oich und wir kehren in der Great Glen Water Park Lodge ein, um dem Regen kurzzeitig zu entkommen. Obwohl wir eigentlich nur auf eine Cola aus waren, wird es dann doch das Full Scottish Breakfast, allerdings ohne Haggis(!). Gut gestärkt benutzen wir nun die alte uns bereits zurück gebaute Eisenbahntrasse, die ein örtlicher Verein gerade wieder zum Leben erwecken möchte. Der Weg ist wirklich extrem langweilig. Für mehrere Stunden geht es einfach nur geradeaus. Zudem versperren einem die Bäume auch noch die Sicht auf den See. Nicht einmal Passanten treffen wir hier.

Ab der Oich Bridge heißt es dann wieder Kanal für uns. Der Regen gönnt einem keine Pause und so kommen wir ziemlich kaputt drei Schleusen später endlich in Fort Augustus an. Wir hätten gerne etwas früher wild gezeltet, aber mangels trinkbarem Wasser blieb uns keine Wahl.

Der Zeltplatz wirkt verlassen. Das Interieur der Rezeption liegt auf einem Haufen vor der Baracke. Weiter hinten brennt ein großen Feuer. Wir machen lieber kehrt und schleppen uns ins Dorfhotel. Dies macht von innen jedoch den Eindruck eines Hafenbordells und wir lehnen dankend ab. Weiter die Straße hinauf finden wir dann doch noch ein nettes Bed and Breakfast, was ein richtiger Glückstreffer ist. Gemütliches Zimmer und nette Besitzer.

Wir freuen uns schon auf das reichhaltige Frühstück und natürlich auf Nessi, denn nun geht es bis Inverness entlang des berühmten Loch Ness.

Tag 12

  • 57.24012°, -4.57914°, 247m
  • 22/03/2018

Wieder in den Highlands

Nach dem Aufstehen wird erstmal ausgiebig geduscht. Das hilft zwar leider nur begrenzt, da mittlerweile unsere Klamotten etwas müffeln, aber man fühlt sich dafür besser.

Beim Frühstück sind wir alleine, der einzige weitere Gast war wohl sehr früh abgereist. Sam und Glen tischen uns dafür um so mehr auf. Neben dem kleinen Buffet gibt es frisch gekochtes Porige gefolgt von einem Rührei mit Lachs.

Die beiden haben das Bed and Breakfast erst seit einigen Monaten. Ursprünglich stammen sie beide aus England und haben sich mit dem Beaufort House einen Traum erfüllt. Sam lebte mit ihren Eltern für einige Zeit in Deutschland und Glen hatte des Öfteren sogar in Köln bei Ford zu tun. Wer also mal in Fort Augustus zu Besuch ist, sollte sich am besten hier einquartieren. Der Abschied fällt schwer und uns wird angeboten doch noch eine Nacht zu bleiben. Sollte es zu sehr regnen, würde man uns sogar abholen kommen.

Kaum sind wir aus dem Ort raus kommt auch schon gleich der erste Aufstieg des Tages. Nach zwei Tagen Kanal eine willkommene Abwechslung, die einen auch endlich wieder etwas ins schwitzen bringt. Die erste High Route, eine Alternative zum regulären Great Glen Way mit etwas anspruchsvollerem Weg ist leider wegen Forstarbeiten geschlossen. Naja, dann laufen wir eben durch den Wald in Richtung Invermoriston. Der Weg ist im Gegensatz zu den Tagen zuvor richtig abwechslungsreich. Viele Anstiege und Windungen, dazu immer wieder Lichtungen, die einen Blick auf Loch Ness ermöglichen. Gegen Ende dieses Abschnitts bremst uns ein Französisches Pärchen etwas aus. Er ist ständig am telefonieren und sie sammelt irgendwelche Steine. Uns kommt das eigentlich gelegen, schließlich wollen wir das Tempo etwas drosseln.

In einem großen Bogen und leider auch über Asphalt erreichen wir Invermoriston. Wir besichtigen die Anfang des 18 Jhdt. von Thomas Telford errichtete Brücke und treffen in einem Stau vor einer Baustellen einen Holztransporter wieder, der uns direkt heute morgen im Wald begegnet war. Man grüßt sich.

Das Dorfcafé in dem wir etwas Zeit totschlagen wollten hat natürlich geschlossen. Also begnügen wir uns mit dem Dorfladen und der Holzbank davor. Der Eigentümer erzählt uns, dass gestern der erste Regentag seit fünf Wochen gewesen wäre und das die Ostküste ohnehin das bessere Wetter hat. Dazu gibt es noch eine Ausführung darüber, wie die benachbarten Täler das Wetter im Zentraltal bestimmen.

Es folgt wieder ein Aufstieg, der es wirklich in sich hat. Dieses Mal wählen wir obendrein noch die High Route und haben bald das Gefühl endlich wieder wirklich in den Highlands zu sein. Der Boden ist angenehm und die Landschaft abwechslungsreich und schön. Schon gegen Nachmittag haben wir unser Tagespensum erfüllt und finden nahe eines Wasserfalls einen schönen Zeltplatz. Optisch macht diese Stelle zwar den Eindruck einer perfekten Windschneise, doch die Bäume sprechen eine andere Sprache. Gut möglich das man hier im Windschatten des benachbarten Bergs liegt. Neben an liegen die Ruinen eines antiken Cottage, die sich hervorragend als Kochplatz eignen. Zu guter letzt schleppe ich noch zentnerweise Steine heran um das Zelt auf dem felsigen Untergrund sturmfest zu machen.

Tag 13

  • 57.32908°, -4.46671°, 31m
  • 23/03/2018

Scouts

Mit dem ersten Licht des Tages beginnt auch der Regen. Gegen halb acht ebbt dieser jedoch etwas ab und es bietet sich eine Gelegenheit das Zelt abzubauen. Innen- und Außenzelt packen wir heute separat ein. So bleibt immerhin die Schlafkammer trocken.

Nur unweit unseres Schlafplatzes beginnen die Serpentinen sich unaufhörlich den Berg hinauf zu schlängeln. Äußerst unangenehm, wenn Sehnen und Muskeln noch nicht wirklich warm sind; insbesondere dann, wenn man sich gestern Abend eigentlich schon auf den Abstieg wähnte.

Wir verlassen den Wald über eine „Trollbrücke“, die aus verschlungenem Holz gefertigt und über und über mit verschiedenen Schwämmen bewachsen ist. Am Gipfel bietet sich ein toller Ausblick auf Loch Ness. Leider ist es etwas diesig und auch der Regen setzt immer wieder ein.

Zurück im Wald geht es dann endlich talwärts und wenig später vereinigt sich die High Route wieder mit dem regulären Weg. Ab jetzt ist es wieder ein Waldspaziergang. Ab Grotaig laufen wir fast nur noch Straße. Eigentlich sollte es hier ein Café geben, doch dieses stellt sich primär als Töpferei heraus welche scheinbar von einem Messi betrieben wird. Obwohl alle Türen offen stehen und sogar Licht brennt, können wir niemanden finden.

Das Gelaufe auf Asphalt ist in den Stiefeln immer eine Qual. Gelegentlich gibt es neben der Straße einen Trampelpfad, der die Sache aber auch nicht besser macht. Mit schmerzenden Füßen erreichen wir schon mittags den Campingplatz von Leviston, was direkt an Drumnadrochit grenzt. Vom Eigentümer erfahren wir, dass der Platz eigentlich noch geschlossen ist, wir aber trotzdem bleiben dürfen, sofern uns die Pfadfinder nicht stören würden, die den ganzen Platz für dieses Wochenende gemietet haben.

Da wir keine Lust haben weiter zu laufen und auch endlich aus dem Regen raus möchten, schlagen wir etwas abseits unser Zelt auf. Die Organisatoren der Kundgebung sind not amused aber es wurde uns nun mal so erlaubt.

Tatsächlich zeigt sich abends auch noch die Sonne und zu unserer Freude hat sich auch die Wettervorhersage ins positive verkehrt. Wir gehen noch etwas im Ort spazieren und kaufen unser Frühstück für den letzten vollen Tag in der Natur.

Von den uns angedrohten 1600 Scouts sind bis jetzt übrigens nur ein paar Hände voll erschienen. Sofern die sich jetzt nicht heimlich nachts vermehren kommt der Rest wohl erst morgen, aber dann sind wir schon lange verschwunden.

Tag 14

  • 57.46532°, -4.29004°, 203m
  • 24/03/2018

Almost there

Wider Erwarten haben wir heute heftigen Bodenfrost gehabt. Das führt im Zelt immer dazu, dass sich am Morgen alles mit Kondenswasser vollsaugt. Das Zelt, die Schlafsäcke und nach etwas Bewegung sind auch wir selbst nass. Nur die Stiefel nicht, denn die sind gefrorenen.

Immerhin haben wir blauen Himmel und auch die Sonne ist schon über den angrenzenden Berg gestiegen. Da wir etwas ungünstig stehen, packen wir alles ein, kratzen das Eis vom Zelteingang und ziehen mit unseren Aufbau zwanzig Meter weiter in die Sonne.

Um neun Uhr ist immer noch nicht alles abgetrocknet, aber wir packen dennoch ein. Schließlich wollen wir heute noch eine ganze Ecke laufen. Jedoch kommen wir nicht weit. Direkt am Ortseingang hat das gemütliche Café schon geöffnet, welches wir gestern Abend entdeckt hatten. Als ernährungsbewusste Sportler und in Anbetracht der langen Etappe frühstücken wir erstmal Orangen-Schoko-Torte mit Cola.

Gestärkt geht es dann entlang der Hauptstraße durch Drumnadrochit, dem Herzen der Nessi-Industrie. In der Tat ist das schönste Gebäude des Ortes das Loch Ness Center & Exhibition.

Wieder in der Nähe des Ufers verlassen wir die Straße um durch einen urigen Tannenwald den heutigen Berg zu erklimmen. Ich hatte schon fast vergessen wie es ist, wenn einem der Schweiß in die Augen läuft, aber die Sonne und der steile Anstieg machen es ein letztes Mal möglich. Oben angekommen machen wir an einem Aussichtspunkt eine kurze Rast, bevor es dann entlang eines etwas breiteren und nur noch moderat ansteigenden Waldwegs weiter geht. Dieser führt zunächst durch eine Schonung und später durch Heideland, bevor er gegen Mittag wieder in Richtung Tal in einem Wald verschwindet.

Die einzige nennenswerte Wolke, die heute unseren Weg kreuzt, regnet uns natürlich voll. Gleichzeitig scheint aber die Sonne daher kein Grund für Regenkleidung. Mittagspause machen wir an einer Waldschule. Die Bäume sind hier bunt geschmückt. Überall sitzen und hängen hölzerne Tiere. Auch der Tisch auf dem wir kochen ist bemalt.

Die zweite Hälfte des Tages marschieren wir zunächst durch ein kleines Dickicht, in dem alle hundert Meter ein handbemaltes Schild mit Aufschriften wie “Hot Cocoa?” oder “Lemon Pie?” steht. Dahinter verbirgt sich ein Campingplatz/Café in der Erscheinung einer Hippiekommune. Neugierig durch die Schilder treffen wir dort jedoch niemanden an, außer ein riesiges schwarzes Hausschwein, das Mona furchtbar erschreckt.

Danach folgt leider wieder für einige Meilen harte Straße. Bergstiefel sind dafür einfach nicht gemacht und so leiden unsere Füße wieder. Immerhin treffen wir aber hier den ersten und einzigen Wanderer, der auch den Great Glen Way geht.

Gegen Abend prägt wieder Heide, Wind und Wald den Weg. Wir finden einen tollen Biwakplatz mit Feuerstelle und ebener Fläche für ein Zelt, den wir aber links liegen lassen. Schließlich wollen wir noch etwas weiter kommen. Grobe Fehlentscheidung. Den nächsten geeigneten Platz finden wir erst eineinhalb Stunden später. Als wir schon wieder aus dem Wald raus sind und Inverness bereits in Sichtweite liegt, bietet sich an einem kleinen See eine weitere Schlafgelegenheit.

Neben einigen, hoffentlich verlassenen, Fuchsbauten und unweit des Wassers verbringen wir nun unsere letzte Nacht. Der restliche Weg nach Inverness ist jetzt nur noch ein Spaziergang.

Tag 15

  • 57.48333°, -4.21667°, 13m
  • 25/03/2018

Geschafft

Nach guten zwei Wochen und knapp 300 Kilometern quer durch die Highlands und das Great Glen haben wir Inverness Castle erreicht.

Jetzt gehen wir erstmal frühstücken.

Fotos

Fotos folgen wenn wir wieder zuhause sind, oder über Instagram